Herta Mannheimer


Am Mittwochabend gedachten viele Würzburger Bürgerinnen und Bürger bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der ersten Deportation von jüdischen Mitbürgern an die Deportationen zwischen November 1941 und 1943. Die meisten deportierten Juden starben in den Vernichtungslagern der Nazis.
Auch die Heidingsfelder Mitbürgerin Herta Mannheimer starb am 10. September 1943 im Vernichtungslager Auschwitz.
Vor wenigen Tagen konnte Willi Dürrnagel aus der Pfalz eine Heidingsfelder Ansichtskarte mit dem Döle aus dem Jahre 1926 erwerben. Eine große Überraschung für Dürrnagel war, dass die Karte vom 20. März 1926, die an Herren Eugen Panke in Frankenthal gerichtet war, auch von der Heidingsfelder Stadträtin Herta Mannheimer mit „Freundl. Grüße Herta Mannheimer“ unterzeichnet war.
Herta Mannheimer wurde am 6. Mai 1891 in Bütthard/Unterfranken geboren. Die Eltern waren Salomon Mannheimer und Johanna Mannheimer, geborene Wolf. Sie hatte zwei Schwestern: Selma und Berta.
Herta Mannheimer kam 1905 mit der Familie nach Heidingsfeld und wohnte in der Kirchgasse 12. Der Vater erhielt hier 1911 das Bürgerrecht. Die Familie lebte vom Handel mit Mehl und Landprodukten. Herta Mannheimer war nicht berufstätig. Wie damals üblich, führte sie nach dem frühen Tod der Mutter den Haushalt und kümmerte sich um den Vater, nachdem seine beiden Schwestern das Haus verlassen hatten. Herta Mannheimer war Sozialdemokratin. Bei den Kommunalwahlen 1924 wurde sie als einzige Frau in den Stadtrat gewählt. Dort war sie Mitglied im Schulausschuss und im Armenrat. Herta Mannheimer war Mitglied im Stadtrat Heidingsfeld bis zur Eingemeindung nach Würzburg am 1. Januar 1930. Sie begleitete eine maßgebliche Rolle in der Turngemeinde Heidingsfeld und leitete die Damenriege des Vereins. Auch war sie aktives Mitglied im jüdischen Kulturbund.
Nach dem Tod des Vaters emigrierte sie im August 1937 nach Holland.
Sie lebte zunächst in Martensdijk in der Nähe von Utrecht. Ab dem 29.Oktober 1942 war sie in Amsterdam, Merwedeplein 37, gemeldet. In diesem Haus wohnte auch Anne Frank mit ihrer Familie. Ab dem 9. März 1943 war Herta Mannheimer im Sammellager Westerbork untergebracht. Von dort aus wurde sie am 7. September 1943 nach Auschwitz deportiert und noch am Tag der Ankunft, am 10. September 1943, in die Gaskammer geschickt.
Bei der Verlegung der Stolperstein in Heidingsfeld sprach der damals 82-jährige Rudi Schmitt über Herta Mannheimer: „Wenn der Mühlbach Hochwasser hatte, fragten die Kinder immer bei ihr, ob sie in ihrem Keller Boot fahren dürften. Im Keller lagen schwere Holzplanken und so konnte immer einer aufspringen und sich mittels eines Steckens fortbewegen. Herta Mannheimer habe eine besonders helle Gesichtsfarbe gehabt, was seine Großmutter so kommentierte: „Das ist so schön weiß wie ihr Mehl, das sie verkauft.“ Sie habe sich für Heidingsfeld sehr nützlich gemacht, hob Schmitt hervor.

Herta Mannheimer

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Text/Fotos: Willi Dürrnagel